Warum der Tarpon eine besondere Herausfordung beim Drill mit der Fliegenrute ist.
Der Tarpon katapultiert sich mit enormen Sprüngen aus dem Wasser. Dabei entstehen extrem hohe Belastungen auf dem Vorfach und dem Haken. Der Fliegenfischer muss diese Sprünge parieren und kontrollieren, um den Fisch nicht zu verlieren. Wenn man weiß wie das funktioniert, kann man als Sieger aus dem Kampf gehen - wenn auch nicht immer...
Bow to the King
Tarpon sind dafür berühmt und berüchtigt, bei ihren spektakulären Sprüngen „auszusteigen“ – oft schon kurz nach dem Anschlag. Mit rasselnden Kiemendeckeln schießen sie aus dem Wasser und schütteln während des Sprungs den Kopf. Oder sie überschlagen sich mit einem Salto in der Luft.
Dabei verliert der Haken sehr häufig den Halt oder das Vorfach reißt.
Das passiert regelmäßig.
Doch es gibt eine Drilltechnik, mit der du diesem Problem zumindest teilweise begegnen kannst. Unter Tarponsüchtigen wird sie „Bow to the King“ genannt.
Verbeuge dich vor dem König.
Wenn der Tarpon zum Sprung ansetzt
Der Tarpon beschleunigt vor dem Sprung. In der Luft nimmt seine Geschwindigkeit sogar noch weiter zu. Der größte Teil der Fliegenschnur und manchmal sogar das Backing bleiben währenddessen unter Wasser. Dort werden sie durch den Wasserwiderstand und die Kräfte der Rollenbremse abgebremst.
Beim Sprung werden Vorfach und ein Teil der Fliegenschnur dagegen plötzlich mit deutlich höherer Geschwindigkeit aus dem Wasser gerissen.
Dadurch können zwischen dem Austrittspunkt der Schnur aus dem Wasser und dem Vorfach enorme Kräfte entstehen. Ein IGFA-konformes Class Tippet mit maximal 20 lbs Tragkraft kann dabei reißen – oder der Haken kann seinen Halt verlieren.
Die entscheidende Frage lautet also:
Wie kannst du diese Kraftspitzen möglichst reduzieren?
Verbeuge dich vor dem König
Beobachte die Schnur im Wasser, während der Tarpon flüchtet.
Wenn du spürst, dass der Fisch beschleunigt und der Schnurwinkel deutlich flacher wird – die Schnur also aus der Tiefe in Richtung Wasseroberfläche steigt –, wird der Tarpon mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich springen.
Das musst du erkennen.
Denn jetzt bleibt nur noch wenig Zeit, dich vorzubereiten.
Beim „Bow to the King“ schiebst du die Rute nach vorn und unten. Gleichzeitig beugst du den Oberkörper und streckst den Rutenarm aus.
Die Idee dahinter ist einfach: Die Verbindung zwischen Fisch, Schnur und Rute wird möglichst entlastet. Statt einer stark gespannten Rute wirken im Wesentlichen nur noch der Wasserwiderstand der Schnur und die Rollenbremse.
Die Belastung auf Vorfach und Haken wird dadurch erheblich reduziert.
Und was passiert nach dem Sprung?
Hier erlaube ich mir, meinen eigenen Senf dazuzugeben. Denn die kritische Situation endet für mich erst einige Sekunden nach dem Wiedereintritt des Tarpon ins Wasser.
Wenn der Fisch zurück ins Wasser fällt, kann die Schnur schlagartig locker werden. Der Tarpon startet sofort wieder durch und zieht die lose Schnur urplötzlich stramm. Dabei werden Schnur und Haken ruckartig belastet.
Was dann passieren kann, weißt du: Eine Schnur reißt unter einem starken Ruck wesentlich leichter als unter einer gleichmäßigen Zugbelastung. Außerdem kann ein Haken aus dem Maul fallen, wenn er sich während des Sprungs bereits gelockert hat.
Deshalb halte ich es für sinnvoll, auch nach dem Sprung die Elastizität der Rute zu nutzen, um die Spannung zu kontrollieren und Kraftspitzen abzufedern.
Bow to the King unmittelbar vor dem erwarteten Sprung.
Während er springt hebst du die Rute wieder etwas an – gerade so weit, dass die Schnur in einem flachen Winkel zur Wasseroberfläche steht und die Rute unter Belastung noch arbeiten kann.
So kannst du plötzliche Kraftspitzen etwas abfedern und die Schnur mit sanfter Spannung kontrollieren, wenn der Tarpon wieder ins Wasser fällt.
Beim Fischen mit J-Hooks solltest du nach jedem Sprung noch ein- oder zweimal mit seitlich gehaltener Rute anschlagen.
Trotzdem wirst du immer wieder springende Fische verlieren. Du darfst dich davon nicht frustrieren lassen.
Es gehört zum Spiel.
Freu dich darüber, einen guten Wurf gemacht, einen Tarpon zum Biss verführt und ihn „gejumpt“ zu haben. Allein das ist schon ein großer Erfolg – und ein fantastisches Erlebnis.
Atme tief durch.
Cool down.
Bereite dich auf den nächsten Wurf vor und fisch mit Zuversicht weiter.
Wenn du mehr über das Thema Drillen erfahren möchtest, findest du im Salty Fly Journal noch mehr darüber.
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